
Ducati 750 Bible
23. April 1972: Dass dieser Tag in Norditalien bis heute kein offizieller Feiertag ist, wundert mich.
OK, die Ducatisti werden ihn sicherlich zelebrieren.
Der absolut geniale Fabio Taglioni stellte seine neuste Kreation dem stauenden Publikum vor:Aus Teilen des kurz vorher veröffentlichten GT-Modells war ein neues Motorrad produziert worden. Dieses neue Geschöpf war noch nicht einmal richtig getestet und sollte seine Taufe bei den prestigeträchtigen ?200 Meilen von Imola? erhalten. Eine sehr wichtige Veranstaltung! Man muss dazu sagen, dass diese Serie nach amerikanischem Vorbild mit seriennahen Rennern ausgetragen wurde und die Crème de la Crème des damaligen Straßenrennportes am Start sein sollte. So zum Beispiel die Herren Agostini und Pagani mit den MVs, Phil Read mit der John-Player-Norton, einige englische Triumph-Maschinen, die Horde neuer CR750 von Honda und nicht zu vergessen, Carr, Offenstadt und Simmonds mit den geliebten H2Rs. Deutschland war auch vertreten durch Hans-Otto Buthenuth und Helmut Dähne mit den Boxern.
Ducatis Rennleiter Spairani entschied sich für Bruno Spaggiari und Paul Smart als Fahrer. Paul Smart erinnert sich später an diese Tage: ?Als ich das Motorrad zum ersten Mal sah, dachte ich: ?Dieses Ding wird niemals um eine Kurve fahren.? Ich hatte den ersten Eindruck, als würde Ducati in der Zeit zurücktreten. Ein Viertakt-Twin??
Smart bollerte seine ersten Runden auf der Teststrecke in Modena und das einzige was er zu bemängeln hatte, waren die aufgezogenen Straßenreifen. Die Mechaniker wollten keine Rennreifen aufziehen, da sie Angst hatten, diese würden die 200 Meilen nicht überleben. Nachdem ein paar Kleinigkeiten geändert wurden, ging er wieder raus. Zurückgekehrt in die Box führten die Mechaniker Freudentänze auf. Smart hatte gerade Agostinis Rundenrekord gebrochen ? mit Strassenreifen und einem nagelneuen Motorrad.
Von dieser Vorstellung und dem Motorrad überzeugt, gab Rennleiter Spairani für das Rennen die Devise aus: ?Ducati belegt die ersten beiden Plätze! Wer gewinnt, ist egal! Das Preisgeld wird geteilt! Der Sieger kann das Motorrad behalten!"
Der Ausgang des Rennens und der damit gelegte Grundstein für den Kultstatus der Marke Ducati ist bekannt. Smart siegte vor Spaggiari, beide mit großem Vorsprung vor dem Rest der Meute.
Smart hat heute noch das Motorrad, aber dem Ducati-Museum als Leihgabe spendiert, wo man es ehrfürchtig bestaunen kann







